Montagmorgen ist Schön
... ein Erlebnis von Eva Schwab, (Bad Homburg, 1973)
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051809
Montagmorgen ist hektisch bei uns. Nach der Ruhe des Wochenendes herrscht nun Eile. Die Kinder werden geweckt, das Frühstück zubereitet, die Einkaufsliste geschrieben und zur Abfahrt in die Schule gedrängt. Von verschiedenen Seiten schallt es: Mami, wo ist dies, wo ist das??? Und trotz festem Vorsatz komme ich etwas ins Nörgeln und werde nervös. – Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig, und mit offenen Jacken, ungebundenen Schnürsenkeln und zerzausten Haaren sausen meine 4 Jungens beim Läuten der Glocke rasch noch in die Schule hinein.
Nun die Erledigungen. Mein erster Stopp ist in Obernhain bei Frau Herbol. Dort trifft sich der Malkurs des Taunuskreises, an dem ich heute zum ersten Mal teilnehme. Mit Plakafarben, Pinsel und einem großen Zeichenblock ausgerüstet betrete ich den bequem zurechtgemachten Hobbyraum, wo 8 Frauen schon eifrig malen. Etwas ängstlich ist mir zumute. Mein Selbstvertrauen gerät ins Wanken beim Anblick der professionellen Malkittel und schon benutzten Malutensilien der anderen (meine kommen neu von Hertie). Ob ich mir wohl zu viel zugetraut habe?
Die erste Aufgabe scheint einfach: Wir sollen von den Grundfarben gelb, rot, blau und grün andere Farben ableiten und damit ein Blatt mit einer bunten Komposition bedecken. Guten Mutes beginne ich mit der Ausführung. Je mehr Farben ich auftrage, desto schwieriger wird es, da nicht nur die Farben miteinander harmonieren müssen, sondern auch die Formen stimmen sollen, damit das Ganze in sich geschlossen wirkt. Und da ich mit einer blauen geometrischen Form begonnen habe, muss die gesamte Komposition in diesem Stil fortführen. – Alles arbeitet konzentriert und schweigsam für eine Stunde. Am Ende werden die Blätter an die Wand gehängt, begutachtet und besprochen. Alle Kompostionen sind verschieden, jede in sich eine Einheit. Es ist eine wahre Freude, all dieses entstehen zu sehen!
Ganz beschwingt verlasse ich den Malunterricht, nehme meinen Einkaufszettel zur Hand und widme mich dem Hausfrauen-Alltag. Zuerst geht es zum Schuster, wo ich mich ertappe, wie ich den alten Schuh mit seinen interessanten Braunschattierungen an den abgewetzten Stellen plötzlich auf dem Ladentisch etwas verschiebe, um ihn besser auf dem weißen Packpapier zur Geltung kommen zu lassen. – Nächster Stopp: Gemüseladen. Welch‘ wunderbare Vielfalt von Farben und Formen war da gekonnt in die Rahmen der Kisten und Körbe komponiert.
Rasch geht es nach Hause. Beim Aufräumen freue ich mich über die Buntheit der Kinderzimmer, deren Unordnung mir wie eine interessante Collage erscheint. Und als ich schließlich am Nachmittag die Kinder von der Schule abhole, ist die Welt noch immer bunt und schön. Die zerzausten Haare der Kinder finde ich nun ein Arrangement der Natur. Ich ordne sie noch etwas um, hier eine wilde Strähne zur Seite, dort eine geneigt in die Höhe: beinahe Ikebana! Ein „Hoch“ dem Malkurs!!!!!
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