Wem das Glück winkt …

 

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Erkenne deine Chancen, nimm sie wahr –
und falle nicht auf die falschen rein!

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040708

 

Warum leiden so viele Menschen daran, dass sie in ihrem Leben stagnieren – wo doch andere zur selben Zeit und mit ähnlicher Ausgangslage immer wieder ihr Glück finden? Ist es ihre Schuld, dass Fortuna an ihnen vorbeigeht, dass sich keine Chancen in ihrem Leben ergeben? Sind die anderen gerade nur „zur richtigen Zeit am richtigen Platz“, wie man so allgemein sagt? Oder hat es vielmehr mit dem Erkennen und Ergreifen von Chancen zu tun, wenn diese sich doch einmal ergeben sollten?

Die folgende kleine Geschichte ist ja nur für junge Leser gedacht, darf aber auch von denen beachtet werden, die mitten in ihrem Lebenskampf stehen – beruht sie doch auf so manchen Jahren praktischer Erfahrung.

 

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Hans war ein junger Mann, der leider zu viel seiner Zeit damit verbrachte, auf einer Bank im Stadtpark zu sitzen und zu grübeln. Das Leben schien ihm miserabel, langweilig und ganz hoffnungslos. War das denn alles, was sein Leben bringen konnte? Lohnte es sich überhaupt, so weiterzuleben? Hans war Angestellter einer sehr großen Firma gewesen und hatte dort jahrelang immer dieselbe Arbeit getan – immer wieder dieselbe – immer wieder dieselbe. Das Ganze schien ihm so langweilig und er war derart enttäuscht vom Leben, dass er keine gute Arbeit mehr leistete und schließlich entlassen wurde. Nun hatte er Angst. Wie könnte sein Leben weitergehen, wo könnte er denn seinen Lebensunterhalt finden, wie könnte er es sich jemals leisten, eine eigene Familie zu haben?

Als er so eines schönen, sonnigen Morgens dort auf der Bank saß, nur vor sich auf den Boden starrend, merkte er gar nicht, dass eine wunderbare Gestalt an ihm vorbeischwebte. Sie sah aus wie eine jener Göttinnen, die Botticelli oder andere italienische Renaissancemaler einst dargestellt hatten: halb Engel, halb Göttin, fast durchsichtig in ihrer Schönheit. Es war Fortuna, die Göttin des Glücks! Sie schaute Hans an und lächelte. Dann winkte sie mit einem kleinen Blumenstrauß, als ob sie ihm bedeuten wollte, ihr zu folgen.

Leider bemerkte Hans sie überhaupt nicht – und so schwebte Fortuna davon, den Parkweg entlang, bis eine andere Person sie wahrnahm und ihr folgte, um zum geheimen Tor des Glücks geführt zu werden.

Ein Freund von Hans hatte die Szene von Weitem beobachtet. Nun eilte er zu Hans und machte ihm Vorwürfe, weil er Fortuna keinen Blick gegönnt hatte und ihr nicht gefolgt war.

„Ach, ich habe sie doch gar nicht gesehen!“, antwortete Hans.

„Wie konnte dir denn so etwas passieren?“, kritisierte ihn sein Freund – oder war es Hans’ Vater? „Du musst doch deine Augen offen halten!“

 

Einige Wochen später – es war inzwischen Herbst geworden – saß Hans wieder auf der Bank. Nichts hatte sich in seinem Leben verändert. Er war mehr entmutigt als je zuvor. Aber nun schaute er immer den Weg entlang, hin und her – nur für den Fall, dass Fortuna doch noch einmal erscheinen würde.

Hans merkte jedoch nicht, dass Fortuna diesmal hinter der Bank, auf der er saß, vorbeischwebte, sodass er sie nur hätte sehen können, wenn er sich umgedreht hätte. Fortuna blieb sogar für einen Augenblick stehen und winkte wieder mit ihrem schönen Blumenstrauß, ihr zu folgen. Aber Hans hatte sich ja nicht umgeschaut, nur vorwärts, nach rechts und nach links. Deshalb konnte er ihr wieder nicht folgen. Und wieder wurde ein anderer im Park der Glückliche: Später war in der Zeitung zu lesen, wie jenem eine große Erfindung eingefallen war, sodass er ein eigenes Unternehmen gestartet hatte und auf dem Weg war, ein erfülltes Leben zu finden.

Derselbe Freund hatte auch diese zweite Szene mit Fortuna im Park beobachtet. Diesmal wurde er wirklich ärgerlich mit Hans und machte ihm große Vorwürfe.

„Du kannst nicht Fortuna nur dort suchen, wo du sie selber finden willst! Du musst doch überall hinschauen – besonders dahin, wohin du bisher noch nie geschaut hast. Und wenn du Fortuna siehst – wenn du überhaupt noch einmal die Chance dafür bekommst –, dann musst du sie erwischen und nicht mehr loslassen! Nächstes Mal musst du es sein, der zum geheimen Tor des Glücks geführt wird!“

Hans fühlte sich völlig zerschlagen. Nun hatte er schon wieder eine große Chance verpasst.

 

Nach einiger Zeit saß er wieder – oder immer noch – auf jener Parkbank. Der Winter hatte schon begonnen und das Leben sah für Hans besonders dunkel aus. Fortuna aber hatte Mitleid. Noch ein drittes, ein letztes Mal schwebte sie an ihm vorbei und näherte sich ihm, aber diesmal von der Seite. Sie hielt sogar inne und berührte ganz zart seine Schulter. Hans war wie vom Schlag getroffen. Er drehte sich blitzschnell um und griff ganz instinktiv nach ihr, sodass sie ihm nicht mehr entweichen konnte. Ganz freundlich führte sie ihn dann auch davon, bis sie zum Tor des Glücks kamen. Fortuna öffnete es und zeigte ihm einen Teil des Parks, den er nie vorher wahrgenommen hatte. Oben auf einem Hügel erhob sich dort ein wunderbares Gebäude.

„Das kann dir gehören – wenn du die Kraft hast, den Hügel hinaufzugehen!“, verhieß Fortuna.

Hans ließ sich diese Chance nicht entgehen. Er erklomm den Hügel, obwohl es schwieriger und anstrengender wurde, als er erwartet hatte. Er bewies alle Durchhaltekraft, um den Preis zu verdienen. Schließlich hatte er den Zugang zu einem erfüllten Leben gefunden!

 

Ist das nun das Ende der Geschichte? Noch nicht ganz.

 

Der Teufel hatte ebenfalls beobachtet, was da vor sich ging und wie Fortuna die glücklichen Gewinner auswählte. Da sagte der Teufel zu sich selbst: „Das kann ich auch tun – aber zu meinem eigenen Vorteil!“

Schon am nächsten Tag zog er sich wie Fortuna an. Aber der schöne Schleier passte nicht ganz über seine Hörner und der weite Rock konnte nicht ganz den Klumpfuß verstecken. Trotzdem zog er los. Er fand auch bald jemanden träumend auf einer Parkbank sitzen, der aber eigentlich ganz glücklich und im Leben wohlsituiert war. Das war gerade der Richtige für den Teufel. So stapfte er dorthin und versuchte, vor jener Person hin und her zu tänzeln, dabei einige mit Juwelen verzierte Schachteln vorzeigend.

Jene Person, die sich der Teufel ausgesucht hatte, war aber etwas naiv und, schlimmer noch, recht geldgierig. Ohne im Geringsten zu versuchen, herauszubekommen, wer die Erscheinung war, die vor ihm herumtänzelte, und ob die Schachteln mit echten oder nur falschen Juwelen verziert waren, griff er (oder war es eine „sie“?) nach den vermeintlichen Kostbarkeiten. Der Teufel ließ die Schachteln aber nicht los und führte die Person mühelos zum Tor der Enttäuschung. Dort stieß er die Person in ihr Unglück, während sich die Juwelenschachteln in Dunst auflösten. Die arme Person musste erst alle ihre Besitzungen dem Teufel übermachen, ehe er sie wieder ziehen ließ – nun als einen ruinierten Menschen.

 

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Ja, und was sagt dir das alles?

Vielleicht bist du ein Student oder eine Studentin an einer großen Universität und weißt nicht so recht, was du im Leben werden möchtest. Oder du bist ein Angestellter in einer großen Firma und bist im Unklaren, ob du überhaupt einmal die Chance bekommst, aufzusteigen. Jahre später kannst du dann lesen, dass zur selben Zeit mit dir ein anderer Student an derselben Uni eine brillante Idee hatte, ein Unternehmen gründete und sehr erfolgreich wurde. Oder du hörst, dass von derselben Abteilung in jener Großfirma einer eine vorzügliche Geschäftsidee hatte: Er wurde befördert und schließlich der Geschäftsführer – oder er wechselte zu einer anderen Firma und stieg dort erst richtig auf – oder er wandelte sich nach einigen Jahren Zusatzstudium vom Ingenieur zum erfolgreichen Patentanwalt. Warum gelang es diesen und dir nicht?

Das ist der Sinn dieser kleinen Geschichte: Du musst dich nach Chancen umschauen und sie als solche erkennen! Sehr wenige Leben vergehen, ohne dass sich nicht irgendwann oder irgendwo eine Chance ergeben hätte. Du musst sie aber auch wahrnehmen können, du musst Initiative beweisen, sie zu ergreifen, und du musst Durchhaltevermögen aufbringen, die Chancen zu verfolgen – dann wirst auch du Erfolg haben!

Aber ... Da ist das große „Aber“! Du musst die falschen Chancen vermeiden: die Versuchungen, die dir der Teufel vorgaukelt, die angeblichen Chancen, von denen du nichts verstehst, etwa die Aktientipps von Fremden, die dir schnelles Glück versprechen. Du musst etwas von der Sache verstehen. Du musst Urteilsvermögen haben, um nicht auf Versuchungen hereinzufallen, die dir deinen ganzen Besitz wegnehmen könnten und dich ruiniert zurücklassen. Das ist schon vielen vor dir passiert.

 

Nun aber los! Fang an! Entscheide dich und lerne etwas Nützliches – zumindest über eines der Gebiete, das dich interessiert – und entwickle dabei dein Urteilsvermögen darüber. Verfeinere es weiter. Dann schau dich überall nach einer passenden Chance um: Ergreife sie mit Initiative, Mut, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen – bis Fortuna ihr Versprechen erfüllt.

 

Wenn du aber herausfindest, dass du dem Teufel auf den Leim gekrochen bist – dann wisse, wie du wieder herauskommst: Fang den Weg ruhig wieder von vorne an – mit einer anderen, besseren Chance! Fortuna ist immer noch da und bereit für dich, wenn du bereit bist.

 

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