Das Tempelchen auf dem Berg

 

... und schließlich erfreute es die ganze Welt

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022709

Jenny war jung, dynamisch, praktisch, aber ganz dem Schönen im Leben zugewandt!  Sie lebte im westlichen Virginia in einer Stadt am Fuß der dortigen Berge.

Aus ihrem positiven, künstlerischen Wesen ergab sich ihr Beruf:  Innendekoration von Häusern und Wohnungen – die Erschaffung schöner Lebensräume – für andere – die Kunden.  Damit verdiente Jenny ihren Lebensunterhalt.

Da galt es aber auch mal Kompromisse zu machen – mit den Wünschen oder geldlichen Begrenzungen eben dieser Kunden.

Konnte man denn nie einmal etwas wirklich ganz wunderbar Schönes schaffen – nicht für Geld – nur anzusehen für die ganze Welt – zur Freude der Menschen?

So kam Jenny auf den Gedanken, auf einen Hügel hinter der Stadt an einem sehr schönen Aussichtspunkt einen kleinen Pavillon zu erstellen, aussehend wie ein Tempelchen – gewidmet dem Traum von der Schönheit und Freiheit in der Welt!

Ja, Freiheit – denn gebunden hatte sich Jenny bisher auch noch nicht.  Das ist doch eine wirklich wichtige Sache fürs ganze Leben, wo man doch so handeln muss, wie man es zu innerst verantworten kann.  Kein potentieller Partner, den sie traf, entsprach dem ganz.  Einer war zu weich, der andere zu stur.  Einer war ein Pedant, der andere zu locker.  Einer redete nur von sich selbst, der andere hatte nichts zu sagen.  Bei einem sollte alles nur nach ihm gehen, der andere wusste nie, was er wollte.  Schlimm!

Aber muss man Jenny nicht für ihre Suche nach dem idealen Partner bewundern?

 

Jenny arbeitete viel, oft bis spät am Abend.  Dann verschönerte sie auch noch ihre eigene Wohnung – wunderbar!!  Und dann half sie noch jedem anderen in der Familie bei der Verschönerung ihrer Wohnungen – noch wunderbarer!  Alle waren entzückt von all dem Schönen, das da im Verborgenen entstand. 

 

Aber wie ging es denn mit dem Traum vom Tempelchen auf dem Berg weiter?

Schließlich besorgte sich Jenny einfach eine Arbeitsfläche in einer aufgegebenen Fabrik und fing das Bauen an – mit der Absicht, das ja nur ganz kleine Gebäude nach der Fertigstellung dann einfach auf den Berg zu transportieren!

Natürlich wurden auch Pläne erstellt.  Dann aber wurde laufend alles mit Phantasie und Temperament verändert und verbessert!  Das Traumgebäude wurde schöner und schöner!  So entstand in diesem „stillen Kämmerlein“ der alten Fabrik das Ideal ihres Lebens!

 

Schließlich war einmal alles fertig und der Transport auf jenen Berg hinter der Stadt konnte beginnen.  Praktisch wie immer besorgte sich Jenny einfach einen Anhänger für ihr kleines Auto, auf den das Tempelchen gerade drauf passte!  Großartig!

Am nächsten Wochenende ging es los!

Aber was war denn das?  Der Weg war doch nicht so einfach! Da kam ja ein Tunnel unter der Bahnstrecke hindurch, den man eine Zeit lang eingeengt durchfahren musste, bevor es wieder ans Licht und aufwärts ging!

Ja, da passte das ideale Tempelchen auf dem Anhänger nicht durch!  So ist das im Leben!

Man hätte einiges abmontieren und damit den ganzen Entwurf vereinfachen müssen.  Auch ein niedrigeres Dach, anstatt des aufstrebenden, wäre nötig geworden!  Das war ja wie bei einem neuen Job, wo einem der neue Vorgesetzte nicht erlaubte, etwas Schönes zu entwerfen – alles nur einfach und billig!  Da machte unsere Jenny, wie auch in ihrem Beruf, nicht mit!  Ihre Idee vom Schönen galt oder nichts!  So kämpfte unsere liebe und großartige Jenny mit ihrem wunderbaren Idealismus in dieser oft grausamen Welt.

 

Durch Zufall kam gerade ein anderer Autofahrer vorbei mit einem großen Auto.  Der schlug vor, dass er ganz einfach das Tempelchen auf der anderen, der steilen Bergstraße, mit seinem Auto auf einem Umweg hochziehen könnte.

Na gut!  Los ging es.

Dann fuhr er aber gar nicht direkt den Berg empor, sondern erst mal ganz woanders hin, wie es ihm gefiel.  Mal dahin, mal dorthin.

Schließlich schrie Jenny „Schluss!“ – „Den Berg hoch, wie ich will oder ich steige aus und das Tenpelchen wird abgehängt!“

So geschah es – und das Tempelchen steht immer noch verlassen da – und viele Teile sind schon einfach verschwunden.           

 

Jahre vergingen.  Da hatte Jenny eine geniale Idee!  „Ich baue den Tempel in Stufen aus Einzelteilen, die ich später zusammengelegt kompakt auf den Berg hoch ziehe und erst dort zusammenbaue!“.  „Dann komme ich auch durch den Tunnel – zum Licht!“.

Gesagt, getan!  Bald war der modulare Tempel fertig, vielleicht noch schöner und ausgereifter, als der erste.  … vielleicht auch etwas massiver, schwerer.

Dann ging die Fahrt los – wieder das kleine Auto mit beladenem Anhänger!

Als es steil wurde, kam ihr zu schwaches Auto aber tutternd zum Stillstand!

 

Wieder kam da so ein Schnösel mit einem stärkeren Auto vorbei und bot Hilfe an.

„Na, einmal versuche ich es noch“, dachte unsere Jenny.

Los ging es!  … Aber wieder fuhr der nicht auf direkter Strecke zum Gipfel.

Jenny war nun älter und geduldiger geworden.  So hielt sie diese dumme Rumfahrerei noch ein wenig aus.

Was stellte sie da fest, als sie wieder etwas entspannter wurde?  Die Rumfahrerei war eigentlich auch ganz schön.  Was der junge Mann sagte, machte nicht alles Sinn, war eben die Reflektion eines anderen Lebens.  Aber wenn man sich darein versetzte, war das vielleicht auch ganz gut.  Und je länger der junge Mann mit ihr zusammen war, desto mehr merkte auch er, was bei Jenny ankam und was nicht – und wurde besser.

 

Schließlich waren sie zwar nicht auf den Gipfel gelangt, aber doch weit nach oben ins Helle auf dem Berg gekommen – zusammen.  Es wurde spät.  So hielten sie inne und bauten einfach das Tempelchen dort auf, wo sie schließlich angehalten hatten!

Welch wunderbarer Anblick!

Viele Menschen schauten sich das dann an und freuten sich sehr!

 

So fuhren die beiden schließlich wieder nachhause – zusammen – und etwas froh!

 

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch glücklich heute!

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Dank Dir, Jenny, für all das Schöne, das Du in die Welt gebracht hast!