Wenn eine Tür sich öffnet ...
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… und ein neues Licht in unser Leben kommt
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040708
Früher habe ich einmal in Südkalifornien gearbeitet, in einem klimatisierten Gebäude ohne Fenster. Im Inneren erhellten Neonlichter die gradlinig angeordneten Arbeitstische und all die Maschinen. Aber wenn der Arbeitstag beendet war und die Angestellten nach Hause gingen, dann öffneten sich die schweren Stahltüren für kurze Zeit und das Licht der hellen, kalifornischen Sonne schien herein. Wenn ich dann ebenfalls fortging, begann ich, die grünen, waldbedeckten Hügel hinter dem Gebäude wahrzunehmen – und danach, bei der Heimfahrt, den weiten, wunderbar blauen Pazifischen Ozean mit seinem weißen Rand der Brandung am hellen Strand entlang.
Was ist es doch für eine Wohltat, wenn sich Türen in unserem Leben öffnen, um neues Licht hereinzulassen!
Das Leben der meisten von uns läuft ja nicht immer auf der gleichen Bahn oder bewegt sich nicht nur langsam auf neue Ziele zu. Manchmal ist es ja schon so, als beginne sich da einmal ein Tor zu öffnen und neues Licht auf unser Leben zu fallen – als bringe uns das eine Wende in unserem Leben! Das Gymnasium zu verlassen und auf die Universität gehen zu können, bedeutete einst eine solche Öffnung für mich – oder als ich die Universität abschloss und eine richtige Berufsaufgabe fand: interessante Arbeit mit guten Kollegen. Viel später, zu meiner großen Überraschung, war dann der Beginn des Ruhestandes wieder ein solcher Augenblick – wie ja auch für viele andere Menschen, aber leider nicht für alle. Lasst mich von meinen Freunden berichten, die da vielen von uns ein Vorbild sein können (Namen und Ort sind geaendert).
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Paul und Marie lebten in Hossegor, einem modischen Badeort an der Atlantikküste Südfrankreichs. Beide waren Ende 50 – sie, zart und petite, mit dunklen Augen, schwarzen Haaren und einem strahlenden Charme – er etwas größer, mit grauen Augen, nördlicher Typ und etwas reserviert. Sie hatten dort eine kleine Reiseagentur gegründet. Dank harter Arbeit während vieler Jahre ihres jungen Lebens war es ihnen gelungen, sich gegen starke Konkurrenz durchzusetzen. Sie arbeiteten jeden Tag endlose Stunden zusammen im Büro, oft bis spät in die Nacht, selbst an Wochenenden, im Bewusstsein, dass nur sehr gute Leistung sie mit treuen Kunden und Erfolg belohnen würde.
Nach einiger Zeit war es ihnen möglich geworden, eine kleine Wohnung zu erwerben – in einem modernen Gebäude, mit einem Balkon, der einen Ausblick auf einen sehr schönen, parkartig großen Innenhof bot, mit wellig geschwungenem Rasen, einem kleinen Teich in der Mitte und sogar einem dekorativen Springbrunnen. In ihrer Wohnung war alles wohl geordnet, aber auch künstlerisch. Es gab einige schöne Bilder an den Wänden – Träume von der Schönheit der Natur – und auf einer Glasvitrine fand sich Pauls Sammlung von Spielzeuglokomotiven – Symbole seiner Träume von herrlichen Reisen.
So verging Woche für Woche, Jahr für Jahr. Sollte man da nicht für ein gutes Leben in Harmonie dankbar sein?
Schließlich begannen sie, über den Ruhestand nachzudenken – wenn nur ihr Geschäft für einen guten Preis verkauft werden könnte –, und erhofften sich ein ruhiges Leben in ihrer kleinen Wohnung.
Eines Tages besuchten sie eine Kunstausstellung in ihrer Stadt. Ein kleines Bild dort zeigte eine Landschaft, die sie gut kannten – aber es war nicht sehr gut gemalt. Als sie die Ausstellung verließen, kamen sie an einem Stand vorbei, an dem Malereizubehör angeboten wurde. Marie hielt an und bewunderte alles mit Interesse. Paul, stets der Gentleman, kaufte sogleich ein paar Farben, Pinsel und eine Leinwand für Marie. Was war das doch für ein schöner Tag! Marie gab Paul einen Kuss und sie gingen Hand in Hand nach Hause.
Nach nur zwei Wochenenden hatte Marie bereits ein sehr passables kleines Bild erstellt: Es zeigte dieselbe Landschaft, aber etwas schöner. Es wurde gleich im Büro aufgehängt – und erhielt den Beifall mehrerer Kunden. Paul und Marie erklärten, dass es ihnen einen Traum der Natur in ihre sachliche Welt bringe.
Als sich das Ende des Geschäftsjahres näherte, wurden sie von der Arbeit einfach überwältigt, sodass keinerlei Zeit für Abwechslungen blieb. Aber später dann, als der Frühling in ihrem südlichen Klima voranschritt, kehrte Marie zur Malerei zurück: Zwei weitere Bilder entstanden kurz nacheinander. Es war ein besonderes Glück in ihrem Leben, dass sich Paul ganz besonders über Maries Bilder freute. Da er ein praktischer Mann war und den Wunsch hatte, selber etwas beizutragen, begann er, Rahmen für die Bilder herzustellen. Er besorgte sich dafür die richtigen Werkzeuge und fand eine Quelle für kunstvolles Rahmenmaterial. Die Kombination von Maries Bildern und Pauls Rahmen war perfekt.
Eines Tages geschah es, dass ein Kunde ins Büro kam, der eines der Bilder von Marie kaufen wollte. In diesem Augenblick wurde es ihnen klar, dass mit dieser besonderen Anerkennung eines Außenseiters ihr Leben eine Wendung genommen hatte – dass ein neues Licht in ihr Leben gekommen war ...
Ihr Geschäft konnte schließlich günstig verkauft werden – ihr Leben im Ruhestand begann. Marie malte weiter. Sie wagte es sogar, bei einer lokalen Kunstausstellung auszustellen. Prompt erhielt sie einen hübschen, kleinen Preis. Das ermutigte Paul, einmal einen Raum in einem aufgegebenen Laden zu mieten und eine Ein-Mann-Show für Maries Bilder zu veranstalten. Das Ereignis war ein beachtlicher Erfolg, wurde von vielen Menschen besucht und in der Lokalzeitung dargestellt. Als später im Jahr eine regionale Kunstausstellung stattfand, wurde Marie eingeladen, auszustellen – und erwarb einen weiteren Preis, diesmal von größerer Bedeutung! Nicht zu übersehen war die Tatsache, dass Pauls Rahmen für Maries Gemälde zum Erfolg beigetragen hatten.
Und weitere erfolgreiche Ausstellungen erfolgten, nun sogar in verschiedenen Teilen Frankreichs!
Dann geschah etwas Unerwartetes. Paul träumte eines Nachts von einer Reise mit einem Zug: Die Waggons wurden von einer jener kleinen Spielzeuglokomotiven gezogen, die auf der Glasvitrine in Pauls und Maries Wohnung standen. Am nächsten Tag nahm er die Lokomotive, die eine historisch bekannte Dampflokomotive darstellte, und hielt sie eine ganze Zeit lang in der Hand. Erst kürzlich hatte er ein Buch mit Reisekurzgeschichten gelesen. Nun begann er im Geiste, aus seinem Traum der letzten Nacht eine wunderbare kleine Geschichte zu entwickeln. Er erzählte Marie davon. Später am Tag kehrte sie von Einkäufen zurück und hatte ein sehr hübsches, ja noch unbeschriebenes Tagebuch, dazu einen schönen Schreibstift gekauft. Lächelnd legte sie beides vor Paul hin. Paul gab Marie einen Kuss und sie hielten sich die Hände für einen Augenblick.
Noch ehe es Abendbrot gab, hatte Paul bereits einige Abschnitte seiner Geschichte geschrieben und las sie Marie vor. Sie stimmte ihm begeistert zu. Hatte ihr Leben wieder eine neue Wende genommen – und war wieder ein neues Licht in ihr Leben gekommen?
Als Paul seine Geschichte über den historischen Zug beendet hatte, sandte er sie an einige Freunde. Deren Reaktion war sehr positiv und ermutigend! Bald hatte Paul eine zweite Geschichte geschrieben – und dann eine dritte.
Die moderne Welt bietet viele Überraschungen. Ein Freund von Marie und Paul setzte Pauls Geschichten auf eine Webseite, versehen mit einem geeigneten Titel und Untertitel, damit sie per „Google“ von allen gefunden werden konnte, die ein Interesse an Reisen mit historischen Zügen in ihrer Region Frankreichs hatten – oder von allen Liebhabern historischer Eisenbahnen. Innerhalb kurzer Zeit wurden Pauls Geschichten im Internet von vielen Menschen aus verschiedenen Ländern gelesen: in Frankreich, Kanada, von französisch Sprechenden in den USA, im Gebiet der früheren französischen Kolonien und von Urlaubern überall. Pauls Name war im Internet bekannt geworden – wenn man nur seinen Namen bei „Google“ eingab, wurden die Leser gleich zu seinen Geschichten geführt.
Nebenher begann Paul, die Gegenden genauer zu studieren, durch die jene historischen Züge gefahren waren oder wo sie sogar noch benutzt wurden. Er lernte alles über deren Geschichte und Geografie. Bald war er ein Experte auf diesem Gebiet; er begann die Gegenden zu besuchen und vor allem die dortigen Menschen kennenzulernen und von ihrem Leben zu hören, was seine eigenen Geschichten bald bereicherte.
Vorigen Sommer besuchten wir Marie und Paul. Sie waren vollendete Gastgeber bei einer Mahlzeit in ihrer Wohnung. Bevor wir sie verließen, wollte ich ein Foto aufnehmen. Das Licht in der Wohnung war jedoch nicht hell genug. Es gab jedoch eine Tür zum Balkon.
Und wie die Tür sich öffnete, strömte das warme, goldene Licht eines wunderbaren Nachmittags herein!
Es sah aus, als ob das Licht von ihnen ausginge.
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Wir bewahren dieses schöne Bild und bleiben unseren Freunden sehr verbunden.
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